Erlebtes Brauchtum in der Gemeinschaft
„Nirgends in der ganzen Umgebung haben sich so viele alte Bräuche und Feste erhalten wie zu Nord
weil, es kam das wohl von Klosterzeiten her." So schrieb im Jahre 1925 Pfarrer Fridolin Götz, ein gebürtiger Nordweiler. In seinem Buch „Sonnenschein, Erinnerungen aus der Kindheit" schildert er seine Begegnungen und Erlebnisse mit diesem Brauchtum im vorigen Jahrhundert. Viele dieser alten Bräuche haben sich, bedingt durch die Zeitverhältnisse, geändert oder sind ganz verschwunden. Über eines soll nun im folgenden erzählt werden, auch so, wie sie die ältere Generation von Nordweil vor etwa 60/70 Jahren erlebt hat und sich daran erinnert. Es soll aber auch erwähnt werden, was aus diesem Brauchtum geworden ist.
Da verkleideten sich größere Burschen in alte Frauenröcke, setzten eine Larve vor das Gesicht, wobei recht hässliche, besonders feurig-rote und braun-schwarze
späteren Jahren verkleideten sich auch Schüler als Bachdatscher, dies aber nur in der Woche vor der Fasnet. In der damaligen Zeit konnte sich nicht jeder Junge eine Larve kaufen. Dann behalf man sich, indem man ein durchsichtiges Tuch vor das Gesicht band oder sich aus „Pappedeckel" seine eigene Larve bastelte, hässlich und angstmachend sollte sie sein. Die so entstandenen Larven sahen oft viel interessanter aus als die gekauften.Als Kopfbedeckung trugen die Bachdatscher Kopftuch oder Hut oder beides, um Bauch und Beine banden sie sich Strohseile. So tobten sie durchs Dorf, einzeln oder in Gruppen, lauerten oder schlichen, stießen ein schauerlich dumpfes „Hoooh!" aus, wenn sie jemanden entdeckten, und freuten sich, wenn sie ihn verrußeln konnten. Am Sonntag ruhte der Bachdatscher, dafür vergnügten sich die Erwachsenen beim Kappenabend in der Wirtschaft.
herrschten, war es ratsam, Türen und Fenster zu verriegeln, denn sie drangen auch in die Häuser ein, besonders wenn sich junge Mädchen oder Frauen darin aufhielten. Wer sich auskannte, benutzte sogar Hintertüren und Schleichwege. Man erzählt, dass die Geduld eines Bachdatschers, der ein junges Weib verrußeln wollte, auf eine harte Probe gestellt wurde. Erst gegen Abend gelang es ihm, dann nämlich, als sie auf dem Melkstuhl saß. Sie wurde dann schwarz gemacht wie die Nacht und das, wie alte Überlieferungen besagen, nicht nur im Gesicht.
die Häsordnung so aus: Holzlarve (hergestellt von G. Rieder),
dreiteiliges Häs aus Spättlekopftuch, Spättlerock, Spättleumhang (Farbe: dunkelblau mit Punkten, blau mit Karo, rot und grün), schwarze, knielange Cordhose mit Zotteln, rote Strümpfe, Strohschuhe, schwarze Handschuhe, Haselnuß- oder Buchenstock (gedrillt gewachsen und gebeizt) mit Saublodere. Kindern bis zu 12 Jahren ist das Hästragen ohne Larve erlaubt.